Neugier auf Wissenschaft wecken: Wiener Töchtertag 2026 an der Fakultät für Chemie
Seit 25 Jahren bietet der Wiener Töchtertag Mädchen die Gelegenheit, Berufe aus den Bereichen Technik, Digitalisierung, Handwerk und Naturwissenschaften in der Praxis kennenzulernen. Auch 2026 lud die Fakultät für Chemie wieder Schülerinnen ein, um Einblicke in die aktuelle Forschung und die vielfältigen Berufsmöglichkeiten zu geben.
Im Chemiestudium an der Universität Wien ist das Geschlechterverhältnis seit Jahren ausgeglichen – das gilt nahezu gleichermaßen für Bachelor-, Master- und Doktoratsstudien. Dennoch sind akademische Karrieren für Forscherinnen hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf oft noch mit besonderen Herausforderungen verbunden. Umso wichtiger bleibt es, junge Frauen frühzeitig für die Wissenschaft zu begeistern und unterschiedliche Karrierewege sichtbar zu machen. Die Fakultät für Chemie und das Netzwerk Women in Chemistry (WoChem) nutzten daher auch heuer die Gelegenheit, ihre Forschungsbereiche vorzustellen.
Einblick in die Laborpraxis und moderne Forschung
Am 23. April 2026 hatten Schülerinnen die Möglichkeit, selbst im Labor zu experimentieren und die Arbeitsgruppen verschiedener Institute kennenzulernen. Nach einer Begrüßungsrunde mit Prof. Ellen Backus, Ass.-Prof. Evelyn Rampler und weiteren WoChem-Mitgliedern – von Doktorandinnen bis zu Senior Scientists – ging es, ausgestattet mit Labormänteln und Schutzbrillen, direkt in die Praxis. Die Teilnehmerinnen stellten selbst Seife her, führten Experimente in Zellkulturlaboren durch, bekamen eine Führung durch einen Reinraum mit High-End-Massenspektrometern oder untersuchten Substanzen in der Core Facility für Kristallstrukturanalyse. Sie erfuhren, welche Rolle die Grundlagenforschung der anorganischen Chemie bei der Entwicklung von Krebsmedikamenten spielt, wie Materialchemiker*innen einen pilzbasierten Lederersatz entwickeln und welchen Stellenwert Computer und Modellierungen in der modernen Chemie einnehmen.
Vorbilder und Austausch auf Augenhöhe
Auch für Fragen zu Studium und Karriere nahmen sich die Mitglieder von WoChem viel Zeit. Forscherinnen und Doktorandinnen berichteten von ihrem eigenen Werdegang und gaben persönliche Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Evelyn Rampler, eine der Koordinatorinnen des Netzwerks, betont: „Es war inspirierend, so viele neugierige und motivierte Schülerinnen begrüßen zu dürfen. Wir hoffen, dass wir zeigen konnten, wie vielfältig und spannend die Chemie wirklich ist. Vielleicht sehen wir einige der Mädchen, die uns am Töchtertag besuchen, auch im Studium wieder.“
Maria Marichici, Bezirksrätin im Alsergrund, die eine der Gruppen an der Fakultät besuchte, unterstreicht die Bedeutung solcher Initiativen: „Gerade in den Naturwissenschaften braucht es weibliche Vorbilder sowie gezielte Mädchen*- und Frauenförderung. Der Wiener Töchtertag an der Chemie-Fakultät macht sichtbar: Mädchen können alles erreichen, wenn wir sie ermutigen und unterstützen.“
Evelyn Rampler ist seit 2024 Assistenzprofessorin an der Fakultät. Als analytische Chemikerin und Mutter zweier Kinder ist die Förderung junger Forscherinnen ein besonderes Anliegen: „Mir ist es wichtig, neben der Begeisterung für das Fach der nächsten Generation auch vorzuleben, dass eine wissenschaftliche Karriere mit Familie zwar einige Herausforderungen mit sich bringt, aber dennoch erfüllend und möglich ist.“
Die Fakultät für Chemie bedankt sich herzlich bei WoChem und allen beteiligten Arbeitsgruppen für ihr großes Engagement.
- Webseite des Wiener Töchtertags (Nächster Termin: 22. April 2027)
- Das war der Töchtertag 2026 an der Uni Wien (u:wiki)
