In Memoriam: Herbert Ipser (1947-2019)

20.12.2019

In tiefer Betroffenheit teilen wir mit, dass unser geschätzter Kollege em. Univ.-Prof. Dr. Herbert Ipser am 14. Dezember 2019 nach langer schwerer Krankheit verstorben ist.

Nachruf

Herbert Ipser wurde am 22. Sept. 1947 in Wien geboren, wo er auch im Jahr 1965 das Realgymnasium Albertgasse abschloss. Er entschied sich für ein Studium der Chemie an der Universität Wien und promovierte im Jahr 1974 bei Prof. Kurt Komarek über "Phasengleichgewichte und Thermodynamik im System Fe-Te". Kurz darauf erhielt er ein "Fullbright Stipendium", das ihm einen zweijährigen Aufenthalt bei Austin Chang am Department of Materials an der University of Wisconsin in Milwaukee/USA ermöglichte. Auch dort beschäftigte er sich mit den thermodynamischen Eigenschaften von Legierungssystemen.

Nach seiner Rückkehr an die Universität Wien wurde er Universitätsassistent am Institut für Anorganische Chemie und setzte seine Forschungen an der Thermodynamik von Multikomponentensystemen mit dem Schwerpunkt Defektchemie fort. Er habilitierte sich im Jahr 1986 zum Thema "Thermodynamics of NiAs-phases" und begann als Dozent mit dem Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe. Dabei erweiterte er seine Forschungsinteressen in den Bereich der Materialwissenschaften. Im Jahr 1998 wurde er zum ordentlichen Professor für anorganische Chemie an der Universität Wien berufen. Ab 2004 leitete er das von ihm neu gegründete Institut für Anorganische Chemie/Materialchemie. Seine Forschungsergebnisse resultierten in einer großen Zahl wissenschaftlicher Beiträge von exzellenter Qualität, die Eingang in zahlreiche Standardwerke fanden und bis heute viel zitiert werden.

Internationale Zusammenarbeit war Herbert Ipser immer ein wichtiges Anliegen und er pflegte intensiven Kontakt zu  Forscher*innen in Europa, den USA, China und Indien.

Im Jahr 2002 initiierte und leitete er die überaus erfolgreiche europäische COST 531 Aktion "Lead-free Solder Materials",  an der sich im Verlauf von 5 Jahren über 100 Wissenschafter*innen aus 21 Nationen beteiligten. Auch in der nachfolgenden COST MP0602 Aktion "High Temperature Soft Solders" war er als Arbeitsgruppenleiter eine der Schlüsselfiguren.

Herbert Ipser organisierte gemeinsam mit seiner Gruppe eine Vielzahl von angesehenen internationalen Konferenzen. Als Beispiele sind hier die Konferenzserien "High Temperature Materials Chemistry" (1994 und 2006), "Thermodynamics of Alloys" (1988 und 2004) sowie die "European Conference on Solid State Chemistry" (2015) zu nennen. Zudem investierte er viel Zeit als Editor internationaler wissenschaftlicher Zeitschriften.

Es war Herbert Ipser stets ein wichtiges Anliegen die Chemie als Wissenschaft nach außen zu vertreten und deren Bedeutung in unserer Gesellschaft zu unterstreichen. Er war ein engagiertes Mitglied der Gesellschaft österreichischer Chemiker (GöCH), der er 2011 – 2016 als Präsident vorstand. Seine wissenschaftliche Arbeit wurde durch mehrere Auszeichnungen gewürdigt, wobei wir hier den Hume-Rothery Prize des britischen Institute of Metals besonders erwähnen möchten, der ihm 2017 verliehen wurde.

Von den Studierenden war Herbert Ipser immer hoch geschätzt. Er verstand es, die Chemie als Wissenschaft lebendig zu kommunizieren, und hatte immer ein offenes Ohr für deren Anliegen. Als Mitglied curricularer Arbeitsgruppen und später als Studienprogrammleiter prägte er die Lehre im Fach Chemie über viele Jahre. Er erkannte sehr früh die Bedeutung der Chemieausbildung an den Schulen, weshalb er auch in der Lehramtsausbildung und Öffentlichkeitsarbeit äußerst aktiv war. Bei der Einführung des gemeinsamen Studiengangs mit der TU-Wien "Chemie und Technologie der Materialien" war er federführend beteiligt.

Neben seinen fachlichen Erfolgen und Leistungen sind vor allem auch seine menschlichen Qualitäten hervorzuheben. In all seinen leitenden Funktionen war er wegen seiner Empathie, Besonnenheit und Loyalität bei seinen Mitarbeiter*innen hoch geschätzt. Trotz seiner zahlreichen Funktionen nahm er sich immer ausreichend Zeit für deren Anliegen und er verstand es seine Gruppe durch sein persönliches Vorbild zu einem harmonischen Team zu formen.

Mit Herbert Ipser verliert die Fakultät für Chemie einen angesehenen Wissenschafter und hervorragenden Hochschullehrer; seine Freunde und Kolleg*innen einen großartigen Menschen. Wir werden uns seiner immer mit großer Sympathie und Dankbarkeit erinnern.

Klaus Richter & Hans Flandorfer

  • Parte
  • Samstag, 1.2.2020, 15:00 Uhr, Seelenmesse in Gedenken an Herbert Ipser in der Pfarrkirche Wohnpark Alterlaa (Details s. Parte)
em. Univ.-Prof. Dr. Herbert Ipser 1947-2019