WoChem: Karrierenetzwerk für Chemikerinnen startet

21.06.2018

An der Fakultät gibt es mit "WoChem – Women in Chemistry" nun eine Initiative zur Stärkung der Karrierewege von Chemikerinnen. Den Initiatorinnen Katharina Pallitsch und Andrea Tanzer geht es besonders um die Vernetzung von Nachwuchsforscherinnen innerhalb der Fakultät. Heute, Donnerstag, findet das erste Treffen der WoChem-Mitglieder in Anwesenheit einer Gastvortragenden, Linda Shimizu von der University of South Carolina, statt. Das Netzwerk steht allen interessierten Jungwissenschafterinnen offen.

„Mir hat bisher der Kontakt zu Wissenschafterinnen an der Fakultät, die auf einer ähnlichen Karrierestufe stehen wie ich, gefehlt. Ich wusste nur, dass es angeblich einige gibt“, sagt Andrea Tanzer, Postdoc am Institut für Theoretische Chemie. Ihre Kollegin, Postdoc Katharina Pallitsch, hat ähnliche Erfahrungen gemacht: „Das fremde Wesen, die Andere!“, meint die Forscherin vom Institut für organische Chemie: „Man muss sich an der Fakultät schon aktiv suchen, weil man sich nicht einfach zufällig jeden Tag am Gang begegnet – ein Haus weiter und man weiß nicht, dass es überhaupt Kolleginnen gibt.“

Das vorrangige Ziel der WoChem-Koordinatorinnen ist die institutsübergreifende Vernetzung von Chemikerinnen. Das Netzwerk soll den Austausch von Informationen und Erfahrungen ermöglichen. Die Forscherinnen wollen sich gegenseitig bei konkreten Entscheidungen unterstützen, etwa beim Anlegen von Projektanträgen oder bei der Karriereplanung. Gleichzeitig wollen Pallitsch und Tanzer gemeinsam mit den Mitgliedern Gastvortragende aus dem In- und Ausland einladen: Forscherinnen, die über ihre Forschung wie auch Persönlichkeit inspirierend für die eigene Karriere sein können. Diese Vorträge sollen in bestehende Vortragsformate der Fakultät eingebunden werden.

Angedacht sind zudem Training-Events in Kooperation mit dem Personalwesen der Universität sowie der Austausch mit anderen Frauennetzwerken, z.B. mit „Women in Biology“ der Universität Wien oder dem Netzwerk von Chemikerinnen an der TU Wien.

Zugänge freilegen

„Die Idee, an der Fakultät ein derartiges Netzwerk einzurichten, entstand bei einem gemeinsamen Mittagessen“, erzählen die Chemikerinnen. Erst kurz zuvor waren sich beide erstmals begegnet. Aus dem kurzen Treffen zum besseren Kennenlernen wurde eine zweistündige Unterhaltung. „Es gab einfach so viele Themen,“ sagen Tanzer und Pallitsch. Entstanden ist daraus schnell und in Rücksprache mit der Fakultätsleitung das Projekt „WoChem“. Für Herbst dieses Jahres ist eine größere Kick-off-Veranstaltung geplant.

„Die Fakultät begrüßt die Initiative sehr“, sagte Bernhard Keppler, Dekan der Fakultät für Chemie, anlässlich des ersten Treffens der WoChem-Mitglieder. Im Chemiestudium ist das Verhältnis von Frauen und Männern noch sehr ausgewogen, nach dem Doktorat überwiegt der Anteil von Forschern: „Initiativen, die dazu beitragen, dass sich der Anteil von Forscherinnen nach dem Doktorat in der Chemie verbessert und Karrieren von Frauen in der Forschung sichtbarer werden, sind nur zu unterstützen.“ Die Fakultät und das Dekane-Team hätten durch aktive Suche nach qualifizierten Frauen zumindest schon erreicht, dass auf der professoralen Ebene der Frauenanteil auf rund ein Drittel gestiegen ist - „damit haben wir in Österreich einen Spitzenwert“, so Bernhard Keppler.

Sichtbarkeit von Chemikerinnen verbessern

Bereits die derzeitige Mitgliederliste von Jungforscherinnen stehe für eine beachtliche Forschungsleistung, sagen die Netzwerk-Koordinatorinnen. Das zeige schon alleine der Blick auf die u:cris-Publikationen, die die Mitglieder in Summe zusammentragen. Eine wichtige Aufgabe von WoChem sei es, die Wahrnehmung von Forscherinnen in der Forschungsgemeinde zu verbessern und als Anlaufstelle, intern und extern, zur Vermittlung von wissenschaftlichen Kontakten zu dienen.

Dass die Wahrnehmung von Frauen als Forscherinnen per se bisweilen noch sehr mangelhaft sein kann, haben Pallitsch und Tanzer selbst erlebt. Katharina Pallitsch war federführend am Aufbau ihres eigenen Labors beteiligt und stand damit im ständigen Kontakt mit Ingenieuren und Technikern – bei einem Besuch des Ingenieurs ließ dieser nach der Sekretärin Pallitsch fragen. Auch Andrea Tanzer weiß aus ihren Praktika während des Studiums, dass technisches Knowhow durchaus für Staunen bei männlichen Kollegen sorgen kann. „Die traditionellen Rollenbilder gehören nach wie vor überarbeitet“ – auch dazu will WoChem ein Stück weit beitragen und „das bestehende Bild von Frauen mit der Forschungsrealität abgleichen“.

Zu den WoChem-Initiatorinnen:

  • Dr. Katharina Pallitsch ist Postdoc am Institut für Organische Chemie der Fakultät für Chemie, wo sie auch promoviert hat. Nach einem Zwischenaufenthalt an der Medizinischen Universität Wien kehrte Pallitsch zurück und baut seither im Zuge eines FWF-Projektes ihre eigene Gruppe auf. Sie entwickelt u.a. sogenannte PET-Tracer - krankheitsspezifische radiomarkierte Substanzen, mit deren Hilfe Krankheiten diagnostiziert werden können, und untersucht den Abbau von verschiedenen Naturstoffen aus der Gruppe der Phosphonate, die z.B. als Pestizide oder Düngemittel eine Rolle spielen. Zudem lehrt Pallitsch im Bereich organische Chemie.
  • Dr. Andrea Tanzer ist Postdoc am Institut für Theoretische Chemie der Fakultät für Chemie. Sie forscht, im Rahmen ihres eigenen bilateralen FWF-Projektes in Kooperation mit französischen Forschern sowie Arbeitsgruppen am MFPL und an der Meduni Wien, im Bereich der RNA-Bioinformatik: Ihr Ziel ist es, RNA-Moleküle über ihre Struktur in ihrer Funktionalität mittels neuer Computermethoden zu beschreiben. Neben der Charakterisierung von statischen Strukturelementen geht es auch um die Beschreibung zeitlich dynamischer Strukturveränderungen. Tanzer ist zusätzlich als Lehrende tätig, betreut DoktorandInnen und Masterstudierende und hat bei der Erstellung und Planung des neuen Masterstudiums Bioinformatik in der Curricular-Kommission mitgewirkt.
WoChem - Das Karriere-Netzwerk für Chemikerinnen an der Universität Wien veranstaltet sein erstes Treffen (Copyright: CC0 Creative Commons)
WoChem-Initiatorinnen Andrea Tanzer (l.) und Katharina Pallitsch (r.) mit Dekan Bernhard Keppler (Copyright: WoChem)