Die Universität Wien und die Fakultät für Chemie nehmen Abschied von Prof. Dr. h.c. Isaac P. Witz, der am 12. Januar 2026 im 92. Lebensjahr verstorben ist. Mit ihm verliert die wissenschaftliche Gemeinschaft einen Visionär der Immunologie und einen engen Freund der Wiener Forschungslandschaft.
Isaac P. Witz wurde 1934 in Wien geboren. Im Jahr 1939 musste seine Familie vor dem NS-Regime in das britische Mandatsgebiet Palästina fliehen. Er promovierte 1965 an der Hebrew University Jerusalem und prägte über Jahrzehnte die Forschung an der Tel Aviv University. Als Pionier der „Tumor Microenvironment“-Forschung erkannte er früher als viele andere, dass die Umgebung eines Tumors entscheidend für dessen Wachstum und die Metastasenbildung ist. Seine Arbeit legte den Grundstein für moderne Therapieansätze. Er war maßgeblich an der Etablierung des Cancer Biology Research Center in Tel Aviv beteiligt und leitete als Präsident die von ihm mitbegründete International Cancer Microenvironment Society.
Trotz seiner Fluchterfahrung blieb er Wien verbunden. Mit Prof. Michael Micksche pflegte er eine enge wissenschaftliche Kooperation bereits zu der Zeit, als das Institut für Krebsforschung noch Teil der Medizinischen Fakultät der Universität Wien war. Diese Verbindung setzte sich erfolgreich im gemeinsamen Forschungscluster „Translational Cancer Therapy Research“ des Instituts für Anorganische Chemie und des Zentrums für Krebsforschung fort. In mehreren Gastprofessuren – zuletzt im Wintersemester 2017/18 an der Fakultät für Chemie auf Einladung von Dekan Bernhard Keppler – gab er sein Wissen an Wiener Studierende weiter.
Die Universität Wien würdigte sein Lebenswerk 2018 mit dem Ehrendoktorat; die Medizinische Universität Wien ernannte ihn 2024 zum Adjunct Professorship am Zentrum für Krebsforschung. 2023 wurde er zudem mit dem renommierten Szent-Györgyi-Preis der amerikanische National Foundation for Cancer Research (NFCR) ausgezeichnet.
Mit tiefer Trauer müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass ein großer Freund und wundervoller Mensch uns für immer verlassen hat. Wir verneigen uns vor Isaac. Wenn wir an ihn denken, erinnern wir uns an seine Menschlichkeit, Großzügigkeit und Weltoffenheit. Er widmete sein wissenschaftliches Leben der Erforschung der Tumormikroumgebung, einem äußerst komplexen Fachgebiet. Gemeinsam haben wir die molekularen Mechanismen untersucht, die für Hirnmetastasen charakteristisch sind – eine große Hürde in der klinischen Praxis. Er besaß die außergewöhnliche Gabe, aus einer Vielzahl molekularer Profildaten die relevanten und aussagekräftigen Erkenntnisse zu destillieren. Isaac ermutigte uns immer, beharrlich zu bleiben, besonders angesichts scheinbar unlösbarer Probleme. Er bleibt für uns alle ein großes Vorbild.
Mit Isaac Witz verabschiedet sich die wissenschaftliche Gemeinschaft von einem großen Forscher und einem Vorbild an Menschlichkeit. Sein Vermächtnis wird in den zahlreichen Kooperationen und in der dankbaren Erinnerung seiner Kolleg*innen, Schüler*innen und Wegbegleiter*innen fortleben.
Univ.-Prof. Christopher Gerner und ermer. Univ.-Prof. Bernhard Keppler
