Doktoratskolleg für Arzneistoffentwicklung verlängert

01.02.2019

Das erfolgreiche FWF-Doktoratskolleg "Molekulare Arzneistoff-Targets" (MolTag) wurde zum zweiten Mal verlängert. Von der Fakultät für Chemie sind die Arbeitsgruppen um Leticia González und Nuno Maulide beteiligt. Die neuen DoktorandInnenstellen sind bereits online ausgeschrieben.

Im Fokus des Doktoratskollegs (DK) stehen u.a. die Entwicklung neuer Arzneistoffe, die Interaktion von Arznei- und Naturstoffen mit Proteinen und die Ausschaltung von Nebenwirkungen. In dem bis 2023 verlängerten Programm bilden zehn Arbeitsgruppen der Universität Wien, der Medizinischen Universität Wien, der Technischen Universität Wien und des IST Austria das Konsortium für die Ausbildung der DoktorandInnen im Bereich der Arzneistoff-Entdeckung und Entwicklung.

Zwei Gruppen der Chemie beteiligt

Mit der dritten Förderperiode ist die Gruppe um Leticia González vom Institut für Theoretische Chemie zum Programm dazugestoßen: "Unsere Expertise in der Modellierung von Licht-Materie-Wechselwirkungen passt ideal zu Verstärkung den Bereich der Photopharmakologie und Optogenetik in MolTag. Wir planen das rationelle Design von photoschaltbare Liganden und Fluoreszenzfarbstoffe als Werkzeugverbindungen. Diese werden von anderen Mitgliedern von MolTag synthetisiert und eingesetzt werden", sagt die Institutsvorständin: "Dabei werden auch die DoktoratsstudentInnen mit der Geheimnissen der Quantenmechanik bereichert."

Seit 2015 wurden bereits viele wichtige Erkenntnisse im Rahmen des Doktoratskollegs gewonnen. Im Labor von Nuno Maulide wurden z.B. die natürlich vorkommenden Toxine Cicutoxin und Virol A des Wasserschierlings, eine in Nordamerika und Mitteleuropa heimischen Giftpflanze, chemisch synthetisiert und modifiziert. "Dabei haben wir die Wechselwirkung der Toxine mit dem GABA-A-Rezeptor, einem wichtigen Rezeptor des Zentralnervensystems, untersucht", sagt der Vorstand des Instituts für Organische Chemie, der mit seiner Arbeitsgruppe seit der zweiten Förderperiode an MolTag beteiligt ist. Von der multidisziplinären Zusammenarbeit und der Vernetzung über vier Standorte hinweg profitiere man sowohl in der Forschung wie auch in der Ausbildung der DoktoratsstudentInnen erheblich.

45 Doktoratsstudierende aus 17 verschiedenen Ländern haben das MolTag-Programm bereits durchlaufen. Insgesamt publizierten die Studierenden des Doktoratskollegs bereits über 130 Fachartikel in international begutachteten Topzeitschriften, darunter Cell, Nature Neuroscience, Angewandte Chemie Int Ed. und Journal of Medicinal Chemistry.

"Chemie hat zentrale Rolle"

Ein zentrales Ziel des MolTag-Konsortiums ist es, die molekularen Wechselwirkungen von potenziellen Arzneimitteln mit biologischen Targets und Rezeptoren zu untersuchen: "Die Chemie ist dafür unentbehrlich. Vom Design molekularer Funktionen über die effiziente und nachhaltige chemische Synthese der Schlüsselverbindungen bis hin zur in silico-Modellierung der spezifischen Wechselwirkungen, die für die Effekte verantwortlich sind - im Rahmen von MolTag kann die Chemie einmal mehr ihre Vitalität und zentrale Rolle in all ihren Facetten zeigen", so Nuno Maulide. 


Ausschreibung bis 4.3.2019

Wasserschierling
Die natürlich vorkommenden Toxine Cicutoxin und Virol A der Giftpflanze wurden im Labor von Nuno Maulide durch chemische Synthese hergestellt und modifiziert. (Copyright: Nuno Maulide)