Zum 150. Geburtstag von Jacques Pollak

09.12.2021

In Gedenken an Professor Jacques Pollak, der am 12. Jänner seinen 150. Geburtstag begehen würde. Eine Gedenktafel im Foyer der Fakultät für Chemie (Währinger Straße 42) erinnert an seine Vertreibung vom Institut und Ermordung unter den Nationalsozialisten.

Von Silvia Bailleul-Lauritz

Jacques Pollak wurde am 12. Jänner 1872 in Budapest geboren. Nach der Reifeprüfung am katholischen Staatsgymnasium in Budapest, die er mit Auszeichnung bestanden hatte, begann er 1889 das Studium der Chemie an der Universität Wien, das er am 22. Juli 1893 mit der Promotion zum Doktor der Philosophie abschloss.

Jacques Pollak wurde schon 1901 zum Privatdozent für Chemie habilitiert. Daneben konnte er sich als Assistent am 1. Chemischen Institut etablieren und erforschte gemeinsam mit den Vorständen Hugo Weidel und Josef Herzig die Struktur von Farb- und Naturstoffen.

Ab 1908 begann er mit der Synthese von Schwefelfarbstoffen. Unter dem Vorstand Rudolf Wegscheider leitete er die organische Abteilung des 1. Chemischen Universitätslaboratoriums. 1920 wurde Jacques Pollak der Titel eines ordentlichen Professors verliehen, und 1923 wurde er zum Vorstand des Laboratoriums für chemische Technologie der Universität Wien ernannt.

Bis zur Übergabe des Laboratoriums an den damaligen Vorstand des 1. Chemischen Institutes, Professor Hermann Mark, im September 1934 konzentrierten sich Professor Pollak und seine Mitarbeiter*innen auf die Aufklärung der Konstitution von Schwefelfarbstoffen. Darüberhinaus wurde die Forschungstätigkeit am Laboratorium 1930 mit dem Arbeitsgebiet "Kunstharze" erweitert.

Professor Pollak war schon 1934 vom austrofaschistischen Ständestaat zwangspensioniert worden. Hermann Mark richtete es damals ein, dass er in Räumlichkeiten am 1. Chemischen Institut noch im kleineren Rahmen forschen und lehren konnte. 1938 vertrieben ihn die Nationalsozialisten aufgrund seiner jüdischen Herkunft vom Institut.

Im Juli 1942 wurde er zusammen mit seiner Gattin Wilhelmine in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo er am 8. August 1942 an Lungenentzündung verstorben ist. Seine Witwe starb einen Monat später in Theresienstadt.


Silvia Johanna Bailleul-Lauritz studierte Pharmazie und verfasste ihre Diplomarbeit zum Thema "Herstellung von 2-Aza-spiro[4,5]decanen und 2-Aza-spiro[5,6]undecanen" (1990) und ihre Dissertation zum Thema "Synthese von spirocyclischen Aminosäureestern und deren Interaktionen mit dem GABA-ergen System" (1992) im Pharmazeutisch Chemischen Institut unter der Leitung von Professor Dr. Wilhelm Fleischhacker. Später studierte sie Lehramt Chemie/Biologie und verfasste ihre Diplomarbeit zum Thema „Jacques Pollak und die Geschichte des Laboratoriums für chemische Technologie der Universität Wien“ (2019), betreut von Rudolf Werner Soukup, Lektor am Institut für Didaktik der Chemie.

Jacques Pollak (1872-1942), Chemie Bestandgeber*in: Archiv der Universität Wien, Bildarchiv Urheber*in: Foto Theo Bauer Wien Signatur: 106.I.59
Gedenkwand Fakultät für Chemie, Gedenktafel Jacques Pollak, Bestandgeber*in: Privatarchiv Herbert Posch, Wien Urheber*in: Herbert Posch